Fragen Sie Frau Andrea: Schwarz hören

Stadtleben | aus FALTER 22/02 vom 29.05.2002

Geschätzte Frau Andrea,

unlängst bekam ich gegen neun Uhr abends unangemeldeten Besuch von der GIS. Das allfällige Vorhandensein von Lärm-Indoktrinations-Geräten wurde überprüft. Die Nachschau ergab selbstverständlich nichts. Mein Gewissen lässt mir aber seither keine Ruhe, denn: Ich sehe zwar nicht fern, aber ich höre fern!!! Nun meine Fragen: Muss mein Nachbar, ein sog. hoher Politiker (er wohnt oberhalb von mir), die doppelte Gebühr entrichten, oder muss ich dafür bezahlen? Schließlich hören ja zwei Haushalte zu. Kann da auch eine zusätzliche Nachgebühr anfallen? Wie soll denn heuer dass 00-Defizit erreicht werden, bei dieser grassierenden Mentalität des Nicht-Bezahlen-Wollens? Ich hoffe, Sie halten mich nicht für blauäugig, weil ich auf Ihren Rat vertraue.

Jasminka Dyens, Landstraße

Liebe Jasminka,

wenn ich Ihr Problem richtig verstanden habe, wohnt über ihnen ein Politiker, der die Programme des österreichischen Rundfunks in so hoher Lautstärke zu sich nimmt, dass auch Sie, einen Stock unter ihm, fernhören, ob Sie wollen oder nicht. Nun lässt der hohe Lautstärkepegel Ihres Nachbarn durchaus auf Schwerhörigkeit schließen. Wir wollen mal davon ausgehen, dass es sich dabei nicht um die seltene Form der jugendlichen, sondern die der häufigeren Altersschwerhörigkeit handelt. Wenn dem so wäre, läge es auch nahe, daran zu denken, dass Ihr Politiker längst die Segnungen der Pension konsumiert. Wenn er das Handwerk des Politikers verstanden hätte, müsste er Ehrenritter der Gebührenbefreiungslegion sein. Ich denke daher, Sie müssen sich keinerlei Sorgen machen, dass irgendwelche Nachgebühren eingehoben werden müssen. Gegenfrage: Wie heißt denn Ihr schwerhöriger Nachbar?

Schreiben Sie Frau Andrea: dusl@falter.at; und besuchen Sie:


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