Radler-Sozialismus

CHRISTOPH CHORHERR | Vorwort | aus FALTER 23/02 vom 05.06.2002

KOMMENTAR. Das Viennabike bekommt ab Juli ein neues Verleihsystem: Anmeldung per SMS. 

Phase eins war ein Versuch, ziemlich quer zum Zeitgeist. Dieser brüllt ganz laut "Mehr privat, weniger Staat" und bringt in der Presse bereits Gastkommentare unter dem Titel "Fahrradsozialismus" hervor. Für bloß zwei Euro Pfand sollte das Ausborgen eines Fahrrades ohne Anmeldung, ohne Ausweis, ohne Genehmigung ermöglicht werden. Einfach und spontan. Das Ziel war und bleibt, eine Alternative für Kurzstrecken zu bieten, mögliche Umsteiger zum Ausprobieren zu animieren und die Sichtbarkeit des Fahrrads im Straßenbild zu erhöhen. Leider wurden die Viennabikes so beliebt, dass viele Nutzer und Nutzerinnen sie gar nicht mehr auslassen wollten. Abgesperrt mit eigenem Fahrradschloss oder zwischengeparkt in Hinterhöfen oder auf Balkonen, fehlten sie an den Terminals. Der wirkliche Diebstahl war das geringere Problem; der Schwund von nicht einmal dreißig Prozent der Fahrräder war vom Betreiber durchaus

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