STANDPUNKT: Der Sündenfall

Politik | aus FALTER 23/02 vom 05.06.2002

Reinhart Gaugg, Sozialsprecher der FPÖ, wurde zum Vizedirektor der neuen Pensionsversicherung gewählt. Und die FPÖ diskutiert eifrig darüber, ob er sein Mandat im Nationalrat behalten darf: Der steirische Landeschef ist dagegen, der Altparteiobmann und sein Sozialminister sind dafür, die Chefin und ihr Generalsekretär wollen Gaugg Zeit lassen, bis er weiß, was er in der Versicherung verdienen wird. Womöglich kommt er doch nicht auf die erhofften 8000 Euro im Monat. Dann wird Gaugg sein Abgeordnetengehalt noch dringend brauchen - natürlich nur, um es umgehend an den FPÖ-Sozialfonds zu überweisen. Ja, diese Dabatte über Doppel- und Dreifachbezüge ist auch nicht ganz unwichtig. Hier lenkt sie aber nur vom wirklichen Skandal ab: Sozialminister Herbert Haupt, FPÖ, hätte in dieser Causa nie verhandeln dürfen, weil das Postenschacher ist. Und Gaugg hätte den Job nicht bekommen dürfen, weil er die Voraussetzungen dafür nicht erfüllt. Dann würde sich auch die Frage nach dem Mandat nicht mehr stellen. Jetzt vergießt Haider auch noch Krokodilstränen und spricht von einem "Sündenfall". Man hätte Gaugg damit keinen guten Dienst erwiesen. Nichts leichter, als das zu bereinigen: Gaugg kann seine Wahl einfach nicht annehmen und sich für den nächsten Job bewerben. Ganz ohne Protektion. E. W.


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