Hoch die Schädeldecke!

Kultur | ERICH KLEIN | aus FALTER 23/02 vom 05.06.2002

LYRIK. Neu übersetzt, neu zu entdecken: die Gedichte von Emily Dickinson, Marianne Moore und Elizabeth Bishop. 

Wenn ich ein Buch lese, und es macht meinen Körper so kalt, dass kein Feuer jemals mich wärmen könnte, weiß ich, das ist Dichtung. Wenn ich spüre, dass meine Schädeldecke abgenommen wird, weiß ich, das ist Dichtung."

  Diese schaurige poetologische Grundbestimmung stammt von der amerikanischen Lyrikerin Emily Dickinson (1830-1886). Aus streng puritanischer Familie stammend, distanzierte sich Dickinson von den moralischen und religiösen Rigorismen der Eltern - sie glaubte weder an Erbsünde noch an Gnade, die Bibel war ihr nur noch ein "antique Volume". Ihr Schreiben bewegte sich dennoch ein Leben und mehr als tausend Gedichte lang in den Bahnen eines unvollständig säkularisierten Christentums. Eine explosive Mischung aus religiöser Ekstase und formaler Aggression. Daher rührt Dickinsons blutrünstiger Anspruch an Literatur, das macht die "Klausnerin aus Amhurst"


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