Frsgen Sie Frau Andrea: Futbolzinho

Stadtleben | aus FALTER 23/02 vom 05.06.2002

Liebe Frau Andrea,

als WM-Zuseherin achte ich nicht nur auf den Ball, sondern auch auf die scheinbaren Nebensächlichkeiten. Hierbei ist mir aufgefallen, dass die Namen der Spieler auf den Dressen anders sind als ihre geburtsurkundlichen. Auffallend ist diese Tatsache bei den beiden portugiesisch sprechenden Ländern Portugal und Brasilien. Warum wird Armando Goncalves Teixeira (POR) "Petit" genannt, und wieso heißt "Vampeta" (BRA) im außerfußballerischen Leben Marcos Andre Batista Dos Santos, um nur zwei von vielen zu nennen? Da diese beiden Mannschaften in meiner persönlichen WM-Prognose als Finalisten auftreten, wäre mir die Klärung dieser namentlichen Frage ein großes Anliegen. Können Sie mir diese kulturelle Eigenheit erklären?

Marlene, Wien 18

Liebe Marlene,

in Brasilien nennen einander die Menschen meist beim Vornamen. Auch öffentliche Personen, der Staatspräsident eingeschlossen, sind von dieser Etikette nicht ausgeschlossen. In noch viel stärkerem Ausmaß gilt das für Sportler. Die meisten brasilianischen Fußballer tragen Spitznamen oder Namen, die aus ihren Vornamen zusammengeschliffen wurden. Pelé, der mit bürgerlichem Namen Edson Arantes do Nascimento heißt, trägt den wohl bekanntesten dieser Künstlernamen. Brasilianische Spielernamen sind meist liebevolle Verkleinerungen, dann enden sie auf "inho" oder "zinho", wie beim legendären Jair Ventura Filho, genannt "Jairzinho". Bei augmentativ gebrauchten Namen wird "ão" oder "zão" an den Vornamen angehängt. Wären Hans Krankl und Anton Polster Brasilianer, hießen sie vermutlich "Hanzinho" oder "Tonão". Ansätze zu brasilianischer Nomenklatur hat es übrigens auch in Österreich schon gegeben. Matthias Sindelar, der berühmteste österreichische Fußballer der Dreißigerjahre, hieß wegen seines zarten Spieles "der Papierene".

Schreiben Sie Frau Andrea: dusl@falter.at; und besuchen Sie:


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