Stadtrand: Das Antikind

Stadtleben | aus FALTER 23/02 vom 05.06.2002

Erstens bin ich kein Kinderhasser, zweitens sind Kinder das Tollste, Süßeste, Wichtigste von überhaupt, und drittens gilt das vor allem, wenn man selbst Kinderbesitzer - also Mutter oder Vater - ist. Neulich im Supermarkt. Einkaufswagerlkolonnen ziehen an Regalen vorbei, Warteschlangen bei der Feinkost, Musikgedudel und über allem Kleinkindgeschrei. "Mama!", kreischt es aus Richtung Milchprodukte. "Mama kommt gleich", beruhigt eine Kundin das Kind. Nagut, scheint sich das zu denken, bis Mama gleich kommt, räum ich mal das Fruchtzwergesortiment aus. Schon durchstoßen Kleinkindfingerchen Topfenspeisedeckel. "Bah! Fruchtzwerge mögen wir nicht", sagt die soeben zurückgekehrte Mutter und räumt die beschädigten Teile nicht in ihr Wagerl, sondern zurück ins Kühlregal. Weiter gehts in die Gemüseabteilung. "Wiegen", ruft das Kind und schleppt Tomaten herbei. "Du darfst ja wiegen", sagt die Mutter, legt einen Sack Kartoffeln auf die Waage, hält ihren Spross hoch. Kleinkindhände patschen auf den Computertasten. Das Kind wählt "Spargel". Ausgerechnet. Der Preisaufkleber wird gedruckt. "So, den picken wir jetzt auf die Kartoffeln", sagt die Mutter und legt den Beutel ins Wagerl. Ohne dabei den teuren Preis zu bemerken. Und ab zur Kasse. Jawoll! Ich bin kein Kinderhasser. Ich mag Kinder. Ehrlich. C. W.


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