Mediensplitter

Medien | aus FALTER 24/02 vom 12.06.2002

Noch mehr WAZ. Wird man die Krone der Volksmusik bald mit anderen Augen sehen? Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) bewirbt sich mit der deutschen Commerzbank und der zu Sony gehörigen US-Filmfirma Columbia um die ProSiebenSat1-Gruppe aus der insolventen Kirch-Media. In Österreich ist die WAZ mit 50 Prozent an der Kronen Zeitung und mit 49 Prozent am Kurier beteiligt (Mediaprint). Sie kontrolliert zahlreiche Privatradios und ist durch Formil auch mit der News-Gruppe verbunden. Die deutsche Politik zieht die WAZ einem Einstieg von Murdoch und/oder Berlusconi vor. Außerdem war der neue WAZ-Chef Bodo Hombach einst Kanzler Schröders Kanzleramtschef.

Pech gehabt. Kürzlich in der Medienbehörde Komm Austria: Einem Bericht des Branchenblattes Horizont zufolge musste die Behörde die Bewerbung von Kanal 1 um eine Lizenz für terrestrisches Privatfernsehen im Raum Wien abweisen. Der Grund: Die Investorengruppe um Hanno Soravia, den an Medien interessierten Erben der Baudynastie, hatte sich schlicht für den falschen Kanal beworben. Sie wollte Kanal 34, bewarb sich aber für Kanal 65 und 30, die ATV zugesprochen sind. Die Nachfrist ließ Kanal 1 ungenutzt verstreichen.

Hochner. Der ORF-Moderator Robert Hochner war nicht nur ein bis heute unersetztes Monument öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Wir im "Falter" haben besonderen Grund, seines Todes zu gedenken. Hochner gab dem "Falter" sein letztes Interview. Das war programmatisch gemeint, denn er wollte weder ein Vermächtnis hinterlassen, wie er sagte, noch sich einem Medium der News-Gruppe ausliefern, derem Journalismus er zutiefst misstraute. Der logischerweise folgende Skandal ("News" behauptete fälschlich, "Hochners Vermächtnis" zu publizieren) stellte einen der schmutzigsten Episoden der an schmutzigen Episoden nicht gerade armen österreichischen Pressegeschichte dar. Vor genau einem Jahr, am 12. Juni 2001, starb Robert Hochner in Wien.


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