OHREN AUF! Trumpet & Tradition

Kultur | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 24/02 vom 12.06.2002

Der Jazz mag tot sein, aber er ist dennoch präsent - als Konserve, Tradition, Phantasma. Und damit lässt sich doch was machen. Herbie Hancock etwa hat soeben gemeinsam mit Michael Brecker und Roy Hargrove das Live-Album "Directions in Music" (Verve/Universal) eingespielt. Das Konzert in der geschichtsträchtigen Massey Hall (Charlie Parker!) feiert die Geburtstage von Miles Davis und John Coltrane mit zum Teil stark überarbeiteten Arrangements ("So What" ist kaum wiederzuerkennen) ihrer Musik. Trompeter Roy Hargrove hat einen völlig anderen Ton als Davis: durchaus lyrisch in den leisen Passagen, mit metallischer Hardbop-Attacke, wenns zur Sache geht, Randy Brecker spielt viele Noten, ohne mit seinem unbegleiteten Solo über "Naima" der Intensität Coltranes auch nur nahe zu kommen. 78 Minuten Livemusik, mit länglichen Soli und mitunter etwas soßigem Ensemblespiel. Wayne Shorter, Hancocks Kollege bei Miles Davis, hat mit "footprints live!" - auf demselben Label und mit denselben exzellenten


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