Hypochonder der Liebe

WOLFGANG KRALICEK | Kultur | aus FALTER 24/02 vom 12.06.2002

THEATER. Mann im Spiegel: Luc Bondy inszeniert Arthur Schnitzlers "Anatol" im Akademietheater. 

Anatol steht ganz vorn an der Bühnenrampe des Akademietheaters, aber er schaut nicht auf die Menschen im Publikum, sondern in einen (nicht vorhandenen) Spiegel. Er steht da und starrt eine Frage in den Zuschauerraum: Wer bin ich? Eyes Wide Shut: Anatols Augen sind weit aufgerissen und scheinen doch nichts zu sehen. Die Szene erinnert an einen Vampirfilm: Der Spiegel ist leer.

  Wer ist Anatol? Zunächst natürlich Arthur Schnitzler höchstpersönlich. Der Einakter-Zyklus "Anatol" (1888-1891) ist das frühreife Werk eines noch nicht einmal dreißig Jahre alten Autors, der schon alles weiß über die Frauen, die Liebe und den Sex - und es dennoch nicht fassen kann. Was Anatol bleibt, sind Erinnerungen an leidenschaftliche "Episoden" und die Souvenirs der Geliebten, die er fein säuberlich archiviert hat: Briefe, Locken, zu Staub zerfallene Blumen. "Anatol" ist das Gegenstück zum fünf Jahre

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