FESTWOCHEN-SPIELPLAN

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 24/02 vom 12.06.2002

Dienstag: Das Schauspielhaus dreht durch. In der Festwochen-Koproduktion "Dafke!!" jagt Regisseur Barrie Kosky einen jungen Mann mit Kafka-Blick (Max Mayer) durch eine jüdische Showbiz-Hölle aus aufgeklebten Schläfenbärten und drittklassigen Vaudeville-Nummern. Dass sich der Arme am Ende wieder die Vorhaut annäht, kann man ihm nicht verdenken.

  Mittwoch: Ich schwänze die "Anatol"-Premiere, weil heute der Wiener Sportclub gegen FC Lustenau spielt. Das Match ist enttäuschend und endet 0:0. Bondys Rache?

  Donnerstag: Das forumfestwochen bringt "Save our souls" von der estnischen Regisseurin Merle Karuuso. Zuerst erzählen Schauspieler die authentischen Lebensgeschichten von verurteilten Mördern; am Schluss werden Videobilder von (noch) unschuldigen Kindern gezeigt. Ein erschütternd lapidarer Abend.

  Freitag: "Anatol" ist deutlich besser als Sportclub-Lustenau. Siehe oben.

  Samstag: Am Nachmittag "The Noise of Time" von Simon McBurney, eine Art inszeniertes Konzert mit Einführung. Wenn das Emerson String Quartet das 15. Streichquartett von Schostakowitsch einfach so gespielt hätte, wäre ich nicht hingegangen - so gesehen ist das Konzept aufgegangen. Abends zeigt das ro theater aus Rotterdam "Portia Coughlan" von Marina Carr. Obwohl Alize Zandwijks Inszenierung ähnliche Qualitäten wie ihr "Nachtasiel" vor zwei Jahren zeigt (coole Schauspieler, klasse Kostüme, intensive Bilder), bleibt einem diese Tragödie von altgriechischen Dimensionen, die sich in ein irisches Kaff verirrt hat, ziemlich fremd.

  Sonntag: Das Londoner A-cappella-Ensemble The Shout hat aus Liedern von Amerika-Einwanderern das Singspiel "Tall Stories" zusammengestellt. Ein schöner, aber auch etwas eintöniger Abend in Moll: Requiem for a dream. Überhaupt fällt auf, dass es bei diesen Festwochen insgesamt wenig zu lachen gab. Aber es kommt ja noch Castorf.


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