DOLM DER WOCHE: Thomas Klestil

Politik | aus FALTER 25/02 vom 19.06.2002

Der Mann hat oft sehr Recht. Wenn er potenzielle Regierungsmitglieder (Hilmar Kabas, Thomas Prinzhorn) wegen ihrer ausländerfeindlichen Ausfälle von der Regierungsbank schubst oder beim Zusammentreffen mit der Regierung das Gesicht so einfrieren lässt, dass selbst einem Pinguin fröstelt. Doch manchmal übertreibt auch der Präsident ein bisschen. Es stimmt, dass die Regierung die Gesellschaft polarisiert hat: Linke und Rechte marschieren mittlerweile schon vor den Fenstern der Hofburg auf. Beim Festakt der Raiffeisen Zentralbank strapazierte das Staatsoberhaupt ob dieses neuen Lagerdenkens jedoch ein seltsames Bild: "Im Juli des Jahres 1927 brannte der Justizpalast", mahnte Thomas Klestil, "die Exekutive schoss auf Demonstranten, politisches Lagerdenken hat zu keiner Zeit Vorteile für unser Land gebracht." Mit Verlaub, Herr Präsident, aber ein wenig Zoff macht noch lange keinen Vorabend für einen Bürgerkrieg.


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