Kommentar: Ausnahmezustand Wiener Festwochen

WOLFGANG KRALICEK | Kultur | aus FALTER 25/02 vom 19.06.2002

Bei der Fußballweltmeisterschaft in Japan und Südkorea werden in vier Wochen 64 Matches gespielt, und alle finden das ganz normal. Bei den Wiener Festwochen gab es heuer in fünf Wochen 23 Schauspielpremieren, und alle haben das für völlig verrückt gehalten. Jetzt, nachdem ich tatsächlich alle Schauspielproduktionen der Festwochen gesehen habe, kann ich guten Gewissens sagen, dass die Skepsis unbegründet war: Es waren die spannendsten Festwochen seit langem, und verantwortlich dafür war zuallererst die schiere Masse der Veranstaltungen.

Die Festwochen haben die Theaterstadt Wien in einen Ausnahmezustand versetzt; wer das Festival auch nur halbwegs intensiv verfolgen wollte, war gezwungen, sich für ein paar Wochen vom Alltag zu verabschieden. Das ist nicht immer angenehm, aber es ist aufregend. Zwar haben nicht alle Produktionen gehalten, was man sich von ihnen versprochen hatte; aber wie bei der Fußball-WM (wo ja auch nicht jedes Spiel ein Schlager ist) stand bei den Festwochen

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