STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL OMASTA | aus FALTER 25/02 vom 19.06.2002

Ein griechischer Film! Bilder pittoresker Landschaften, minutenlange Tableaus, der Wechsel der Jahreszeiten in sanften Überblendungen, die Zeit gerinnt. "Ich bin kein Herr", sagt einer, "ich bin Feldhüter": Und eben einen Vertreter dieses Berufsstands, den es in den Sechzigerjahren in Griechenland noch gab, hat in einem Dorf der Insel Chios plötzlich der Tod ereilt. "Frühlingstreffen", ein Film von Dimos Avdeliodis, ist eine poetisch-subtile Allegorie, die anhand der vier Amtsnachfolger des Verblichenen eine witzige "Typologie" des "griechischen Charakters" entwickelt: Der Erste scheitert an seiner Gutgläubigkeit, die sich die Einwohner von Tholopotami schamlos zunutze machen, der Zweite an seiner allzu großen Strenge. Der dritte Feldhüter verfällt dem Kartenspiel und wird vom Dienst suspendiert; der jüngste schließlich verliebt sich Hals über Kopf in Elisso, die unfassbare Kartoffeldiebin, an deren Festnahme zuvor auch schon seine Vorgänger gescheitert waren. Jede dieser vier, auf geheimnisvolle Weise miteinander verwobenen Geschichten spielt während einer anderen Jahreszeit - vom Sommer des einen bis zum Frühjahr (Ostern! Auferstehung!!) des folgenden Jahres - und wurde von einem anderen Kameramann in Bilder gesetzt.

  Ordnung ist das halbe Leben! Der anderen Hälfte, vor allem, widmet sich der Teil 3 von "Dichotomie oder Die träge Liebe zur Hälfte", einer Reihe von multimedialen "Installationen" im Schauspielhaus (am 21. und 22. 6., jeweils 22 Uhr): Gezeigt werden Videos von Roman Signer, vom britischen Künstlerduo John Wood und Paul Harrison u.a., Kairos präsentiert "Anahit" von Giacinto Scelsi und Hanna Schimek und Gustav Deutsch die Live-Wegräum-Aktion "Danach. Live aus dem Schauspielhaus" ...


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