FESTWOCHEN-SPIELPLAN

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 25/02 vom 19.06.2002

Die letzte Woche. Erste Anzeichen von Erschöpfung. Die Kombination aus frühmorgendlichen Fußballübertragungen und langen Festwochenabenden geht auf Dauer schon ganz schön an die Substanz. Aber es ist ja bald vorbei, der Countdown läuft.

  Drei: Für die Musikreihe zeit_zone im Kasino am Schwarzenbergplatz inszeniert der amerikanische Regie-Pumuckel Peter Sellars "For an End to the Judgement of God / Kissing God Goodbye" nach Texten von Antonin Artaud und June Jordan. Die Idee, einem Pentagon-General von heute einen Artaud-Text von 1947 in den Mund zu legen, könnte von Robert Quitta sein ("Artaud im Pentagon" würde der Abend dann heißen) und ist ziemlich genial. Aber erstens macht eine Idee noch keine spannende Aufführung, und zweitens hatte Sellars auch noch eine richtig schlechte Idee: Das superpathetische Gedicht von June Jordan am Schluss passt zu Artaud wie die Faust aufs Auge.

  Zwei: Die Reihe forumfestwochen ff wird mit der kanadischen Produktion "Recent Experiences" abgeschlossen. Ein sechsköpfiges Ensemble erzählt in siebzig Minuten eine mehr als hundert Jahre umfassende Familiensaga. Der Zweite Weltkrieg wird in acht Worten zusammengefasst ("War is hell. It's good to be home"), gegen Ende wirds ein wenig esoterisch, und der letzte Satz des auf extrem lakonische Weise magischen Abends wird auf Deutsch gesprochen: "Das Leben ist einfach." Wers glaubt.

  Eins: Der beinahe schon obligate Russenabend von Frank Castorf und seinem fantastischen Volksbühnen-Ensemble beschließt die diesjährigen Festwochen. Im Bühnenbild-Container von Bert Neumann spielen Kathrin Angerer, Henry Hübchen, Milan Peschel, Martin Wuttke & Co. diesmal "Der Meister und Margarita" von Michail Bulgakow, und weil ich den Roman vorher gelesen habe, kann ich sogar weitgehend der Handlung folgen. Verstanden habe ich trotzdem wenig. Die Gelassenheit, mit der Castorf eine fünf Stunden lange Endprobe als Premiere verkauft, ist irgendwie schon toll. Sie nervt aber auch.

  Zero.


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