Hart an der Grenze

Politik | FLORIAN KLENK | aus FALTER 26/02 vom 26.06.2002

REPORTAGE. Weil die EU die Grenzen sperrt, wird das Geschäft der Schlepperbanden immer brutaler. Nicht nur die Schlepperstatistik, auch die Todesrate unter geschleppten Flüchtlingen steigt. Lokalaugenschein an der Schengen-Grenze östlich von Wien. 

Das Protokoll der Bezirkshauptmannschaft vermerkte den grausamen Vorfall in nüchternem Amtsdeutsch: "Vier Illegalen gelang es, den Fluss zu durchschwimmen. Ein Illegaler wurde abgetrieben und ist vermutlich ertrunken. Ein Somali erlitt Erfrierungen. Es besteht der Verdacht der Mittellosigkeit."

  Der Beamte verhängte ein Aufenthaltsverbot. Seine Begründung: Die halb ersoffenen Flüchtlinge "haben die öffentliche Ruhe, Ordnung und Sicherheit gefährdet, da Sie illegal ins Bundesgebiet eingereist sind." Ihr Verhalten zeige "eine besondere Ignoranz der österreichischen Gesetze."

  Das Aufenthaltsverbot, so beruhigt ein zuständiger Beamter, sei nur "pro forma" verhängt worden. Sobald die Flüchtlinge um Asyl ansuchen, werde es ausgesetzt.


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