FERNSEHEN

Medien | JULIA ORTNER | aus FALTER 26/02 vom 26.06.2002

Sich selbst auf die Schulterklopfen ("eine echt unglaubliche Geschichte") und den eigenen Einfluss maßlos zu überschätzen ("der hat totale Angst vor mir") gehört zu den beliebten Schwächen des Journalisten. Nur wenn man einmal einen wirklichen Sieg errungen zu haben glaubt, sollte man sich öffentlich damit brüsten: Also höchstwahrscheinlich verdanken Sie es auch mir, wenn Sie jetzt endlich "Die Sopranos", die beste Mafia-Serie aller Zeiten, im ORF sehen können - der penetrante Missbrauch dieses kleinen Textes als "Soprano"-Lobhudelei hat die ORF-Serienmenschen wohl mürbe gemacht: Ab 2. Juli wird die italoamerikanische Familiensaga, die garantiert lustiger, blutiger und gemeiner als "Dallas" ist, wöchentlich vorführen, wie es beim Paten von New Jersey, dem brutal-neurotischen Tony Soprano, zu Hause so zugeht. Leider sind die Lebens- und Leidensgeschichten des feinen Clans erst nach Mitternacht angesetzt, aber für treue Killer wie Paulie und Chris in ihren schicken Glanzstreifen-Trainingsanzügen lohnt sich das Aufbleiben - ganz zu schweigen von Tonys interessanten Sitzungen bei seiner Psychotherapeutin. Also echt: Die ORF-Unterhaltungsmenschen hören total auf mich.


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