KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER, WOLFGANG ZINGGL | aus FALTER 26/02 vom 26.06.2002

Diese Woche hätte sie im Piemont einen Vortrag halten, nächste Woche in Berlin einen Preis entgegennehmen sollen: für gelungene Transfers sozialer Projekte aus den USA nach Europa. Sie hatte einfach ihre eigenen Vorschläge eingereicht und eine amerikanische Verpackung dazugemogelt. Im Juli wollte sie dann einen Workshop in Tirol leiten, ein Herbstprogramm für das Depot entwerfen und ein zweiwöchiges Projekt in Danzig durchführen. Spielerisch entwickelte sie Ideen, schrieb Konzepte und drängte auf Mitarbeit. Ihrer Ausstrahlung konnte ohnehin kaum jemand widerstehen. Wenn sie zum Beispiel, ohne darauf zu achten, ungewöhnliche, aus der Mode gekommene Worte verwendete, begleitet von altägyptisch anmutenden Gesten. Mit solchen Eigenschaften lässt sich in der Wirtschaft Geld machen. Aber sie hatte anderes im Blick. Vor zwei Monaten gründete sie das Netzwerk ArTTAC, in dem sich Künstlerinnen und Künstler für die Regulierung der globalisierten Finanzmärkte engagieren. Ihr wichtigstes Anliegen aber war die Künstlergruppe WochenKlausur, mit der sie sieben Jahre lang - schon während ihres Studiums an der Universität für angewandte Kunst - eine sozialpolitische Intervention nach der anderen in vielen Ländern von Mazedonien bis Japan durchführte. Im letzten Jahr hat sie die Leitung der Gruppe übernommen - ohne sie ging bei WochenKlausur gar nichts mehr.

  Nur das Schicksal meinte es selten gut mit ihr. Mit 26 Jahren hat sie nicht nur mehr gemacht, sondern auch mehr mitgemacht als manch andere in einem ganzen Leben. Letzte Woche war Pascale Jeannée zur Vorbereitung einer Wochenklausur in Stockholm. Dort ist sie - völlig unerwartet - gestorben.


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