SPIELPLAN

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 26/02 vom 26.06.2002

Zum ersten Mal seit einem halben Jahr wird im Meidlinger Kabelwerk wieder Theater gespielt. Zuletzt zeigte Peter Stein hier seinen gnadenlos ungekürzten "Faust", jetzt zeigt die Gruppe W.U.T. eine auf ihre Art ähnlich gnadenlose Inszenierung von Shakespeares "Troilus & Cressida". This time it's war: Die zynische Tragödie aus dem Trojanischen Krieg zeigt die Liebe als falsches Spiel und den Krieg als lächerlichen Jahrmarkt der Eitelkeiten - weshalb das Stück jetzt auch als beinharter Kommentar zur Weltlage herhalten muss. "Nicht so sehr der 11.9. selbst, sondern die (wörtlichen) Reaktionen darauf regten W.U.T. zur Aufführung von ,Troilus & Cressida' an", heißt es auf dem Programmzettel. Auf einen Krieg wird also mit einem Kriegsstück reagiert - das ist der langweiligste Gedanke seit "Nathan der Weise" am Volkstheater.

  Anders als der Untertitel ("Eine Mobilmachung") vermuten lässt, handelt es sich nicht um eine Bearbeitung, sondern um eine weitgehend werktreue Aufführung: Durch einen lauschigen Hof des riesigen Kabelwerk-Areals laufen Griechen und Trojaner auf und ab, sie klettern auf Dächer und Bäume und singen zwischendurch auch das eine oder andere Liedchen. Das Ensemble rekrutiert sich aus alten Szene-Haudegen (Michael Aichhorn, Hagnot Elischka, Wolfgang Müllner, Rolf Schwab) und jungen Konservatoriums-Eleven (Stefano Bernardin, Hilde Dalik), die konsequent aneinander vorbeispielen; die Inszenierung (Anselm Lipgens) wirkt, als wäre das Theater der Jugend zu Gast bei den Nestroy-Spielen auf Burg Liechtenstein. Am Ende gibt es immerhin eine effektvoll choreographierte Schlachtszene und eine lakonische Erkenntnis: "Ja, Krieg ist bitter." Irgendwie hat die Aufführung trotzdem ihren Zweck erfüllt: Damit einem solche Theaterabende künftig erspart bleiben, könnte man glatt zum Pazifisten werden.


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