NÜCHTERN BETRACHTET: Hitzeleichtsinn ist kein Kavaliersdelikt

Kultur | aus FALTER 26/02 vom 26.06.2002

Dass die dünne Eisschicht der Zivilisation unter den derzeit herrschenden Temperaturen längst verdampft ist, verwundert nicht. Und doch bin ich immer wieder verstört, wenn mein Bedürfnis, in der Fußgängerzone gemeinsamer, von allen geteilter Werte zu wandeln, wieder einmal als schieres Wunschdenken enttarnt wird, dass jeglicher Verankerung in der Wirklichkeit entbehrt. Die Tatsache, dass viele meiner Geschlechtsgenossen die überdurchschnittliche Hitzeentwicklung zum Anlass nehmen, sich der letzten Reste von Oberkörperbekleidung zu entledigen, muss als krasses Fehlverhalten angeprangert werden. Vor seinem Hochofen oder in seinem Schrebergarten mag jeder machen, was er will, aber die Zurschaustellung entblößter Oberkörper ist nur in Zonen zulässig, die mit "öffentliches Freibad", "Swinger-Club" oder "Stadion" überschrieben sind. Es ist auch völlig wurscht, ob sich das maskuline Selbstbewusstsein in einem durchtrainierten Coca-Cola-light-Werbung-kompatiblen Oberkörper oder


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