Stadtrand: Schilder an sich

Stadtleben | aus FALTER 26/02 vom 26.06.2002

"Guten Tag, mein Name ist Herr Soundso, was kann ich für Sie tun?": Damit hat es angefangen. Harmlose Anrufe begannen plötzlich mit dieser hyperfreundlichen Frage. Mitterweile stellt sich die ganze Stadt einander vor. Hyperfreundlich. Okay, im Kontakt mit - beispielsweise - Bankangestellten ist es ja ganz gut zu wissen, wer einem das Konto führt. Ebenfalls ganz gut ist es, wenn der behandelnde Arzt namentlich bekannt ist. Wenn jemand unbedingt die komplette Namensliste einer Flugzeugbesatzung vorgelesen bekommen möchte - bitteschön. Und dass einem im Supermarkt nicht nur auf dem Kassabon, sondern auch auf der Kittelschürze gesagt wird, wer da bedient, ist ja auch nicht schlecht. Hilft vielleicht dabei, einen persönlichen Kontakt aufzubauen. Komisch wirds nur, wenn plötzlich Passanten auf der Straße oder Mitreisende in den Öffis Namenschildchen an sich tragen. Vielleicht hängt das mit erhöhten Sicherheitsmaßnahmen in Büros und Betrieben zusammen, aber mir kommt vor, dass immer mehr Leute - auch außerhalb der Arbeitswelt - namentlich gekennzeichnet sind. Und weiter? Soll man einander demnächst auch in der Bim persönlich begrüßen? "Guten Tag Frau Soundso, was kann ich für Sie tun?" Danke, bitte nichts. C. W.


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