Stadtrand: We are sale-ing

Stadtleben | aus FALTER 27/02 vom 03.07.2002

Minus 50 Prozent steht jetzt überall in fetten, leuchtenden Buchstaben auf den Schaufenstern der Geschäfte. Minus 50 Prozent!? Jawohl: Sommerschlussverkauf ist - und das, wo doch der Sommer eigentlich gerade erst begonnen hat. War überhaupt so früh schon einmal alles so viel billiger? Nein. Wobei "billiger" ja mehr als relativ ist. Minus 50 Prozent von was? Das Designerstück ist für die meisten immer noch unleistbar - sogar zum halben Preis. Und wenn beim Billigdiscounter der ganze verdammte Rüschenkram nur noch die Hälfte kostet - macht dann der Laden überhaupt noch ein Geschäft? Überhaupt: Was bekommen eigentlich diejenigen, die die ganzen Textilienberge erst hergestellt haben? Call me konsumfreudig, aber wir sind mittendrin im Sommerschlussverkauf. We are sale-ing, sozusagen. Und schlau ist, wer jetzt nicht komplett dem Kaufrausch erliegt. Wer nämlich, "weil doch alles so supergünstig ist", doppelt so viel abgreift, greift womöglich zur einen oder anderen Niete. Und wenn die Hälfte des Einkaufs untragbar ist: Schwupps - dann ist die Schnäppchenfalle auch schon zugeschnappt. Leider merkt man das aber immer erst zu Hause beim Auspacken. Und "Saldi rückwärts" sind ja bekanntermaßen nicht möglich: Ermäßigte Ware ist vom Umtausch ausgeschlossen. Pech. C. W.


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