Fragen Sie Frau Andrea: Kommunikatives

Stadtleben | aus FALTER 27/02 vom 03.07.2002

Sehr geehrte Frau Andrea,

wenn die symbolische Verteilung von Fleisch und Blut Christi "Kommunion" heißt, dann müsste der Ausschluss aus der katholischen Kirche doch die "Exkommunion" sein! In der letzten Zeit habe ich aber in zwei verschiedenen Tageszeitungen ("Salzburger Nachrichten" und "Standard") stattdessen "Exkommunikation" gelesen! Wütende Leserbriefe wurden nicht beantwortet, also wende ich mich wieder einmal voll Hoffnung an Ihren unerschöpflichen Wissensschatz! "Exkommunion" oder "Exkommunikation"?

Ergebenst, Ihr

Michael Fiedler, Internet

Lieber Michael,

das von Ihnen beobachtete Phänomen ist eines der sprachlichen Ungenauigkeit. Beide Ausdrücke, "Kommunion" wie "Kommunikation", leiten sich von "communis" her, dem lateinischen Wort für "gemeinschaftlich", "allgemein". Im Kirchenlatein, das in etwa die sprachliche Lebendigkeit von Gesetzestexten besitzt, bedeutet "Kommunion", wie Sie richtig bemerken, den Empfang des Altarsakraments. Das Gegenteil davon, der Ausschluss vom gemeinsamen Abendmahl, ist aber nicht die "Exkommunion", sondern die "Exkommunikation". Der Empfang der Kommunion ist nämlich (im Lateinverständnis der katholischen Kirche) die "Kommunikation". Der Kirchenbann, der Ausschluss aus der Gemeinschaft der Gläubigen, heißt deshalb "Exkommunikation", abgeleitet vom kirchenlateinischen Verb "excommunicare", "in den Bann tun".

Ganz was anderes ist der Ausdruck "Kommunismus", der ausgerechnet die Gesellschaftsform bezeichnet, die mit der katholischen Kirche außer der Vorliebe für die Farbe Rot nun wirklich nichts gemein hat. Einen Ausschluss aus dem Kommunismus, einen "Exkommunismus", hat es meines Wissens nie gegeben. Das bestätigen selbst renitente Dissidenten.

Schreiben Sie Frau Andrea: dusl@falter.at; und besuchen Sie:


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