FERNSEHEN

Medien | Julia Ortner | aus FALTER 28/02 vom 10.07.2002

Zuerst war da dieses gemeine Vorurteil: "Gerichtsmedizinerin Dr. Samantha Ryan" klingt ja verdammt nach "Dr. Frank, der Arzt, dem die Frauen vertrauen" - und das lässt Böses erahnen. "Silent witness" heißt die hoch dekorierte britische Serie aber im Original (RTL, Do, 22.10 Uhr) und die Pathologin Sam Ryan ist eine kluge, aparte Frau in den Vierzigern, die in Cambridge unterrichtet und mit der Polizei Mörder jagt. Sympathisch: Die Frau Professor ist unter der kühlen Fassade ziemlich neurotisch (verständlich, der Papa wurde von IRA-Terroristen gesprengt) und familiengestresst - die Mutter ist geistig völlig hinüber, die Schwester eifersüchtig und hasserfüllt, der Teenager-Neffe kleinkriminell. Die Mörder sind in dieser Serie nicht schick böse, sondern armselig widerlich, die Polizisten haben einen schlechten Tag und sehen scheiße aus. Und vor allem die toten Körper in der Pathologie werden so realistisch ausgeweidet, dass man wieder genau weiß, warum man nicht Medizin studiert hat. Nur "Autopsie" - die unglaublich jenseitige, aber unterhaltsame Fette-Cops-und-Pathologen-erzählen-von-Serienkillern-Doku-Reihe- schlägt die charmante Sam noch. Schön grauslich.


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