Kommentar - Literatur-Import: Ja zu Amerika!

Kultur | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 29/02 vom 17.07.2002

Der Zufall will es, dass diesen Sommer zwei Bücher um die Aufmerksamkeit der Leser konkurrieren, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Dem einen, Martin Walsers "Tod eines Kritikers", eilte ein bemerkenswert schlechter, dem anderen, Jonathan Franzens "Die Korrekturen" (siehe auch die Rezension auf Seite 55), ein bemerkenswert guter Ruf voraus.

Der "Fall Walser", der dem Autor für seine Darstellung von Marcel Reich-Ranicki Antisemitismus-Vorwürfe eintrug, darf als bekannt vorausgesetzt werden. Der "Fall Franzen" ist wesentlich harmloser: Von der Talk-Moderatorin Oprah Winfrey wurden "Die Korrekturen" zum Buch des Monats erklärt und mit dem schwer verkaufsfördernden Sticker "Oprah's Choice" versehen, worauf der Verlag der Startauflage von 70.000 gleich eine halbe Million nachgedruckter Exemplare hinterhersandte. Jonathan Franzen aber, der bis dahin zwei wohlwollend rezensierte, aber nicht rasend gut verkaufte Romane geschrieben hatte, gab sich - angeblich aufgestachelt durch


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