WELT IM ZITAT

Kultur | aus FALTER 29/02 vom 17.07.2002

Sir Karl, Franz Kreuzer und ich

Anlässlich der Aufregung über die sonstige Gesinnung der FPÖ hätte Karl Popper vermutlich seine beiden lebenden österreichischen Freunde, Franz Kreuzer und mich, angerufen, um sich zu informieren.

Verrät uns Peter Michael Lingens im profil. Was wohl Franz Kreuzer gesagt hätte?

Ich weiß nicht, was Kreuzer gesagt hätte, aber ich hätte etwas gesagt, was ich damals geschrieben habe ...

Echt wahr? Damals schon geschrieben?! Was denn?

... dass eine weitere SPÖ-Regierungsperiode die FPÖ wahrscheinlich zur größten Partei machte und dass ich in ihrer Regierungsbeteiligung unter ÖVP-Führung die Chance sähe, dass sie einerseits dieses Land nicht kaputtzumachen vermag und dass die Wähler andererseits dennoch erkennen, wie unfähig die FPÖ ist.

Und Popper, was hätte er zu diesem Argument gesagt?

... ich glaube, dass er es akzeptiert hätte: Er war zeitlebens zu sehr dem Experiment verpflichtet, um es unbesehen abzulehnen.

Faszinierend. Also hätte Popper ein Einsehen gehabt?!

Aber unmittelbar vor Poppers Abreise aus London hätte sich der Fall Stadler ereignet, und irgendjemand, vielleicht Hans Rauscher, hätte ihn darauf aufmerksam gemacht.

Oje! Also doch alles falsch?

Damit ist Ewald Stadler das dramatischste Beispiel dessen, was ich an dieser Stelle vor ein paar Monaten die "nachhaltige Schädigung Österreichs durch die freiheitliche Regierungsbeteiligung" genannt habe.

Vor Monaten schon?! Und Sie, nicht Popper?!! Aber Popper???

"Dieser Schaden wiegt schwerer als eine halbwegs gelungene Pensionsreform und ein saniertes Budget", argumentierte Popper mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit.

Und Sie, Lingens, und Sie?!

Ich hätte dem nichts entgegenzusetzen.

Weltklasse, Lingens, Weltklasse!!!


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