Learning from Hrensko

Kultur | JAN TABOR | aus FALTER 29/02 vom 17.07.2002

ÖFFENTLICHER RAUM. Die Werbung drängt auf die Gehsteige und okkupiert schonungslos den öffentlichen Raum. Die Leidtragenden sind nicht zuletzt die Geschäftsleute. Einer von ihnen wehrt sich nun. 

Die Wiederherstellung der kapitalistischen Ordnung in Böhmen nach dem Umsturz von 1989 fand in dem kleinen Grenzdorf Hrensko folgendermaßen statt: Der Bürgermeister kaufte der Gemeinde die Bürgersteige ab. Der Erlös war zwar gering, aber die Gemeinde hoffte, sich durch die Privatisierung langfristig einen Haufen Geld für Instandhaltung, Reparaturen, Schneeräumung et cetera zu ersparen. Die Gehsteige in Hrensko, einem kleinen nordböhmischen Ort an der Elbe unweit von Dresden, sind kilometerlang.

  Der Bürgermeister ließ seine Bürgersteige parzellieren (zwei mal zwei Meter, mit gelbem Lack markiert) und vermietet sie nun für viel Geld an vietnamesische Kleinhändler, die einst als Gastarbeiter in die sozialistische Tschechoslowakei geholt worden waren. Auf ihren gepachteten Vierecken


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