Fallende Väter

Kultur | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 29/02 vom 17.07.2002

LITERATUR. Jonathan Franzens Bestseller "Die Korrekturen" ist die ideale Urlaubslektüre: dick, witzig, berührend, intelligent und verdammt gut geschrieben. 

Wer sich in Familie begibt, kommt darin um", formulierte es Heimito von Doderer in einem ebenso sarkastischen wie ernst gemeinten Bonmot. Für die erniedrigende Bestimmtheit durch Abstammung und Erziehung hatte der cholerische und der Philanthropie weitgehend unverdächtige österreichische Dichter ein waches Sensorium. Ob Jonathan Franzen, dessen doderesk dicker Roman "Die Korrekturen" in den USA über eine Million Mal verkauft wurde und sich nun auch in deutscher Übersetzung anschickt, zum Bestseller zu werden, Doderer gelesen hat - immerhin studierte er auch Germanistik in Berlin -, ist nicht bekannt. Seinen Artgenossen scheint er mit etwas mehr Nachsicht zu begegnen ("Ich kann mir nicht helfen, ich mag Menschen", bekannte er in einem Interview mit dem Spiegel), was sich auch in der Empathie seinen Romanfiguren gegenüber niederschlägt,


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