Naziopfer Engelbert

ÖVP Teile des katholischen Kartellverbands trauerten am Wochenende um Engelbert Dollfuß. Auch die ÖVP legte einen Kranz auf seinem Grab nieder.

Politik | Nina Horaczek | aus FALTER 31/02 vom 31.07.2002

Humor hatte er. Sonst hätte der kleinwüchsige Engelbert Dollfuß nicht den Verbindungsnamen "Laurin", des sagenhaften Zwergenkönigs, gewählt. Dem Festredner der Dollfuß-Kranzniederlegung der katholischen Studentenverbindung Franco-Bavaria kennt noch weitere lobenswerte Eigenschaften: "Er war ein großer Österreicher und hatte seine menschlichen Seiten", erklärtWolfgang Schrammel seinen Kartellbrüdern, die sich auf dem Hietzinger Friedhof versammelt hatten.

Jedes Jahr trauern die Mitglieder der katholischen Verbindung Franco-Bavaria um ihren "Bundesbruder" Dollfuß, den Bundeskanzler des austrofaschistischen Ständestaates. "Wir gedenken nicht des Politikers, sondern unseres Kartellbruders", meint ein älteres Mitglied der Verbindung. Anders sehen das die Jüngeren: Die Auflösung des Parlaments im Jahre 1933? "Das war nicht Dollfuß, das hat das Parlament gemacht", meint der Historiker Wolfgang Schrammel, Mitglied der Franco-Bavaria und Präsident des Österreichischen Kartellverbandes.


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