INSZENIERUNG: Der Kanzler als Künstler

Politik | aus FALTER 31/02 vom 31.07.2002

Bisher zeichnete Wolfgang Schüssel im Stillen. Bei langen Klausuren und Sitzungen verewigte er lästige Kollegen gerne mit spitzer Feder auf Papier. Daheim wiederum malte er stundenlang Bauernmotive und Ikonen, auf seinen Bergwanderungen die Disteln am Wegrand. Auch seine Musik spielte der Kanzler bisher nur mit Dämpfer: In jeder freien Minute versucht er sich am Cello; Gitarre und Klavier kann er sowieso.

  Seit ein paar Tagen sollen das aber alle Österreicher wissen. Vergangene Woche schleppte Wolfgang Schüssel einen Journalistentross auf die Teufelsteinhütte im Wiener Wald, um dort sein Tourenbuch (Styria-Verlag) zu präsentieren, für das er sämtliche Karikaturen angefertigt hat. Und seit kurzem lächelt der Kanzler allerorts mit seinem Cello vom Plakat. "Wer gehört werden will", ist darauf zu lesen, "muss zuhören können."

  Ein Jahr vor der Nationalratswahl lässt sich der ÖVP-Chef mit einer Werbekampagne eine Imagepolitur verpassen. Anstelle des schweigenden Regierungsoberhauptes,


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