Zeige deine Wunden

Kultur | MAYA McKECHNEAY | aus FALTER 31/02 vom 31.07.2002

FILM. Der Müll, die Stadt und der Tod: der raue Debütfilm der Schottin Lynne Ramsay. 

Zwei Jungen in Army-Parkas balgen sich am Rande eines schmutzigen Kanals, sie bewerfen sich mit Schlamm, lachen, bespritzen sich gegenseitig. Dann schubst der Größere den Kleineren tiefer hinein: Der Haarschopf versinkt, Luftblasen steigen auf, Stille. In einer quälend langen, tonlosen Einstellung sehen wir das Gesicht des zweiten Jungen, der tropfnass am Ufer zurückgeblieben ist. Atemlos starrt er auf die Wasserfläche, er rührt sich nicht, während der Freund am Grund ertrinkt.

  Immer wieder wird "Ratcatcher" von nun an zur Großaufnahme des zwölfjährigen James (William Eadie) mit den dunklen Augen, den Sommersprossen und den abstehenden Ohren zurückkehren, denn in diesem Kindergesicht, das zugleich das Gesicht eines Mörders ist, formuliert sich die zentrale These des Films: Eindeutige Kategorien wie "gut" oder "böse" funktionieren eben nicht so einfach.

  "Ratcatcher", der bereits aus


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