STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL LOEBENSTEIN | aus FALTER 31/02 vom 31.07.2002

Die erste Kinowoche im August bringt zwei "high concept"-Filme unterschiedlicher Provenienz - der eine aus den USA, der andere eine deutsche Produktion. Gemein ist ihnen ihre Koketterie mit populärkulturellen Versatzstücken, ein ironischer, "postmoderner" Gestus und, nicht zuletzt, die schablonenhafte Ausführung des Ganzen.

  "Scooby-Doo" ist die Spielfilm-Adaption der populären TV-Trickfilmserie um einen liebenswürdigen sprechenden Hund und seine vier detektivischen Mitstreiter. Der Hund ist computeranimiert, die menschlichen Rollen überwiegend mit TV-Lieblingen wie Rowan Atkinson, Freddie Prinze Jr. oder Sarah Michelle Gellar besetzt und die Story eher dünn und vorhersehbar. Das ist aber gar nicht der Punkt: Vielmehr geht es um Daphnes kreischend-lila Kostümchen, Freds blonde Popper-Perücke und das mit Detailfreude gestaltete Setting eines verwunschenen Maturareise-Urlaubsclubs, dessen Herren aus vergnügungssüchtigen Teenies gefügige Konsum-Zombies machen. "Vaya con Dios" (Regie: Zoltan Spirandelli) versucht dafür, mittels Mönchskutte und inbrünstigem Choral die metaphysische Leere im neuen Deutschland zu füllen. Zumindest ist das der Eindruck, den man bei einem Film bekommt, der den erfundenen Bettelorden der "Cantorianer" auf eine Reise durch das Deutschland nach der New-Economy-Krise schickt. Der neongeschwängerten Leere der schicken Medien- und Bankentempel setzen die Brüder die Kraft des Herzens, der Stimme und der asketischen Naturschau entgegen. Das Ergebnis ist eine verkrampfte Symptombehandlung, die allerdings mit dem charismatischen Michael Gwisdek und dem jungen Shootingstar Daniel Brühl ("Das weiße Rauschen") kompetent besetzt ist.


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