Stadtrand: Zum davonlaufen

Stadtleben | aus FALTER 31/02 vom 31.07.2002

Akkordeonmusik mag ja ganz reizvoll sein. Selbst wenns immer dasselbe Lied ist und die Musiker alles andere als Virtuosen sind. Aber eingeschlossen in der U-Bahn wird selbst die schönste Akkordeonmusik zur Qual. Genauso wie jene Handybenutzer, die auch im Untergrund telefonieren können und dabei so brüllen, als ob sie anscheinend noch nicht mitbekommen haben, dass sie ein Handy und kein Joghurtbecher-Telefon benutzen. Unlängst sang sogar jemand mit glockenheller Kirchentagsstimme und Gitarrenbegleitung Lieder von Oasis und den Pet Shop Boys. Klingt gut, war schrecklich. Wenn man nicht weg kann. So gesehen sind die neuen U-Bahn-Züge, die derzeit auf der Linie U3 getestet werden, ein echter Segen. Da sie nämlich aus einem einzigen, durchgehenden Zugabteil bestehen, ist es möglich, störenden Geräuschquellen auch während der Fahrt einfach davonzulaufen. Natürlich nur für den Fall, dass die Beschallung zu viel wird und man gerade keine große Lust auf Akkordeonmusik und Kirchentagsgesang hat. Der Nachteil der neuen U-Bahn-Garnituren? Wenn ein Fahrgast nicht akustisch, sondern olfaktorisch auf sich aufmerksam macht, haben alle im Einraumabteilzug was davon. Weglaufen funktioniert dann nämlich nicht. Leider.

C. W.


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