STANDPUNKT: Nur ein Neger

Politik | aus FALTER 32/02 vom 07.08.2002

Der Prozess um den Schubhäftling Marcus Omofuma ist nun rechtskräftig entschieden. Vergangene Woche wies das Justizministerium die Staatsanwaltschaft an, kein Rechtsmittel gegen das Strafurteil der drei Fremdenpolizisten einzuleiten. Die Beamten bekamen im April nur acht Monate bedingt, weil sie Omofuma im Flugzeug mit Klebebändern wie eine Mumie verschnürt hatten. Eine Entlassung bleibt den Beamten nun erspart. Denn es steht nun fest: Es war nur fahrlässige Tötung. So eine Art Verkehrsunfall im Flieger. Die Polizisten, so das Justizministerium, handelten schließlich nicht mit dem Vorsatz, einen Menschen zu quälen! Sie konnten ja nicht ahnen, dass es einen Menschen das Leben kosten kann, wenn er stundenlang verschnürt wird. Sie mussten sich nichts dabei denken, als es ihm die Augen heraustrieb, sein Hals blau anschwoll, als er um sein Leben zu keuchen begann. Es spielte keine Rolle, dass er sich im Flugzeugsitz anpinkelte, dass sein Gehirn und später sein Herz aufgrund Sauerstoffmangels aussetzte. Man stelle sich den Fall mit umgekehrten Vorzeichen vor: Afrikaner verschnüren einen Polizisten. Lange Haftstrafen wären die Konsequenz. Ein Quälereivorsatz würde ohne Augenzwinkern als erwiesen angenommen werden. Doch hier hat die Justiz das Recht auf die Seite der Polizei gestellt. Es ging ja nur um einen illegalen Neger. F. K.


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