STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL LOEBENSTEIN | aus FALTER 32/02 vom 07.08.2002

Zu elegischen Orchesterklängen rollen waffenstarrende, stählerne Vögel auf ein Flugfeld: Auf den Golanhöhen beginnt der Jom Kippur des Jahres 1973 mit der Verladung einer Bombe unter die Flügel eines israelischen Kampfjets. Minuten später wird der Pilot einen fatalen Fehler begehen, werden der Film einen kleinen Nebendarsteller und die Israelis einen Atomsprengkopf verlieren.

  Der Polit-Thriller "The Sum of All Fears" (deutsch: "Der Anschlag") basiert, wie zuvor auch die Erfolgsfilme "Jagd auf Roter Oktober" oder "Das Kartell", auf einem Roman des amerikanischen Bestsellerautors Tom Clancy - einem Autor, dessen detailbesessene Schilderungen geheimdienstlicher und weltpolitischer Kulissenschieberei ihn unter anderem zum bevorzugten Interviewpartner nach dem elften September des Vorjahrs gemacht hatten. Im Clancy-Universum passiert Geschichte nicht bloß, sie wird gemacht: von einer Hand voll Protagonisten in einem unsichtbaren Kampf, in dem die Guten analytisch denkende, und die Bösen von Persönlichkeitsproblemen getriebene Schachspieler sind.

  Der Gute ist in diesem Fall erneut der CIA-Agent Jack Ryan (nach Alec Baldwin und Harrison Ford nun in einem unchronologischen Coup mit dem jugendlichen Ben Affleck besetzt), dem ein väterlicher Morgan Freeman in der Rolle des CIA-Altvorderen beigestellt ist. Der Böse ist (anstelle des arabischen Extremisten der Romanvorlage) ein österreichischer (!) Neonazi (Alan Bates), dessen vereinte Rechte (Treffpunkt: Wien, nicht was Sie denken!) Russen und Amerikaner gegeneinander ausspielen will. Das Ganze ist ebenso plump wie es klingt, und empfiehlt sich allein aufgrund einer einzigen Sequenz - wohl der ersten wirklichen "nine-eleven"-Referenz des amerikanischen Kinos.


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