Nicht Jedermanns Sache

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 32/02 vom 07.08.2002

SALZBURGER FESTSPIELE. Sterben mit Jedermann, untergehen mit Don Giovanni, leiden mit Da Ponte, manipulieren mit LaBute: erste Eindrücke aus der Ära Ruzicka/Flimm. 

Hugo von Hofmannsthals "Jedermann" ist ein schlechtes, langweiliges Theaterstück. Trotzdem geben Tausende Menschen seit mehr als achtzig Jahren viel Geld dafür aus, auf unbequemen Holzbänken und unter der brütenden Salzburger Nachmittagssonne das "Spiel vom Sterben des reichen Mannes" mitzuverfolgen. Wir haben es offensichtlich mit einem Phänomen zu tun: Warum das frömmelnde Knittelvers-Drama, das von der Kritik schon bei der Uraufführung (1911 in Berlin) belächelt wurde, auf dem Salzburger Domplatz seit Gründung der Festspiele 1920 ein Renner ist, lässt sich rational nicht erklären - schon gar nicht, wenn man sich einmal mit eigenen Augen ein Bild davon macht.

  Wer, wie der Falter-Kritiker, zum ersten Mal eine Vorstellung des "Jedermann" besucht, wundert sich schon, bevor es begonnen hat: Der Platz ist doch


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