Stadtrand: Alle unter einem Dach

Stadtleben | aus FALTER 32/02 vom 07.08.2002

Regen verbindet. Die Schauer, Platz- und Sommerregen der vergangenen Tage boten genug Gelegenheit, das unter Beweis zu stellen. Vom großen Regen Überraschte mussten sich nur kurz wo unterstellen - schon wurde die Straßenszenerie zum Film. Lachende Mädchen in triefend nassen Sommerkleidchen (sexy!), sportliche Fahrradkuriere, die oben ohne dem warmen Sommerregen trotzen wollten (auch sexy!), Familien mit jauchzenden Kindern, verzweifelte Touristen mit aufgeweichten Stadtplänen, derangierte Damen und Herren: alle unter einem kleinen Vordach. Man redete miteinander, schimpfte übers Wetter (oder fand es einfach nur toll), bedauerte oder bewunderte einander, und hoffte gemeinsam auf ein baldiges Ende der kleinen Sintflut. Neuankömmlinge wurden freudig begrüßt, Mutige, die den Unterstand vorzeitig verließen, geradezu herzlich verabschiedet. Kurz: Es menschelte. Kenner attestieren der "Wiener Seele" immer wieder, unsolidarisch zu sein. Vielleicht liegts ja auch nur am guten Wetter, dass die Leute hier so unverbindlich sind. Möglicherweise ist die Bevölkerung von Stockholm oder Helsinki solidarischer, weil dort die Wahrscheinlichkeit in einen Regenguss zu geraten, viel größer ist als hierzustadt. Aber soll man sich deswegen wirklich gleich mehr Regen wünschen? C. W.


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