PRESSESCHAU

Medien | JULIA ORTNER | aus FALTER 33/02 vom 14.08.2002

Sozialporno verkauft sich. Daher bei News sehr beliebt: die "Ich war einen Tag lang ein ganz armes/böses Schwein"-Reportage, auch "Undercover" genannt. Diesmal war eine blonde Nachwuchsjournalistin "einen Tag lang Bettlerin", dabei musste die Aufdeckerin einiges erleiden, sogar ihr adrettes Aussehen verschandeln: "Realitätsnah ,versandelt' von einer Visagistin: mit dunklen Augenringen und fettigem Haar." Aber es kommt noch härter. "So richtig dreckig fühlt sich die Redakteurin aber erst wegen der Behandlung auf der Straße." Investigativer Journalismus according to Wolfgang Fellner fetzt: "Ein Lokalaugenschein zwischen Güte und Brutalität." Topexklusiv stellt die Teilzeit-Bettlerin fest, dass es gute und weniger gute Menschen gibt, und erlebt in der Erzdiözese ein "blaues Wunder", weil der kleine Kirchenangestellte seine zwei Jausensemmerln selber essen will. "Er hält nichts vom christlichen Prinzip des Teilens." Hauptsache News verhält sich christlich korrekt, wenn es die echten Leidensgeschichten von Menschen mit peinlichen Undercoverreportagen vermarktet. Fragt sich nur: Wo bleibt die "Ich war einen Tag Serienkiller"-Reportage?


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