FERNSEHEN

Medien | CHRISTOPHER WURMDOBLER | aus FALTER 33/02 vom 14.08.2002

Nun gehört ja das "Court Room Drama" nicht unbedingt zu den ganz spannenden Film-Genres. Und die Gerichtssaalszenen bei "Ally McBeal" waren eigentlich nur wegen der Macken und Zicken der Protagonisten erträglich, weniger wegen der Fälle. Eine Steigerung des Gerichtssaaldramas erfährt seltsamerweise derzeit der deutsche Fernsehsprachraum: Gerichtssaal-Realitys nämlich. "Richterin Barbara Salesch", "Jugendrichter Doktor Alexander Hold" oder der "Streit um 3" (bei dem Prozesse fernsehtauglich umgesetzt werden) haben längst den Talk- und Schreiformaten am Nachmittag den Quotenrang abgelaufen. Schauspieler tun dann so, als seien sie Richter, oder echte Richterinnen machen einen auf Schauspielerin und verhandeln über das Schicksal von Kleinkriminellen (gespielt von Kleindarstellern; echte Täter und Opfer vor die Kamera zu holen, trauen sich die Verantwortlichen offenbar dann doch noch nicht). Im Prinzip ist das schlimmstes Schmierentheater - und womöglich gerade deshalb so beliebt. Und auch der ORF hat schon seine Gerichtssaal-Reality. "Volksanwalt" heißt die Show am Samstagnachmittag - mit ganz echten Fällen und ganz echten Volksanwälten. Seltsam.


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