ABGETRIEBEN

Politik | aus FALTER 34/02 vom 21.08.2002

Herbert Scheibner Statt 24 warens nur mehr 18: Seine Abfangjäger sind das teuerste Treibgut, das die Flut hinweggespült hat. Der Auftakt ist gemacht. Wenn in Zukunft irgendwo Geld fehlt, wird jeder halbwegs begabte Populist versuchen, dem Verteidigungsminister weitere Blechvögel abzuräumen. Bis keine mehr übrig sind. Kleiner Trost: Wenigstens an seinem Bundesheer wird die Bevölkerung für einige Monate nicht mehr herummeckern.

Wolfgang Schüssel Der Kanzler in einer No-Win-Situation: Die Gummistiefel blieben nach den peinlichen Auftritten seines Vorgängers Viktor Klima im Spind, Schüssels Understatement war den Kommentatoren dann aber auch nicht recht. "Während der Kanzler in Salzburg gescheit über Globalisierung und Identität diskutierte, gingen ganze Landstriche unter", motzte sogar der bürgerliche Kurier. Auch als er endlich in Aktion trat, kam der Regierungschef ins Schwimmen: In der ersten Panik faselte Schüssel von einer Flutsteuer. Steuern statt besteuern!

Jörg Haider Bei Krieg, Flut oder Beben gibt es für Politiker eine eherne Verhaltensregel: traute Einigkeit zur Schau stellen. Das widerspricht aber eindeutig Haiders Naturell. Also pitzelt er wegen der Steuerreform 2003 weiter, obwohl der FPÖ-Vorstand längst die Verschiebung derselben um ein Jahr beschlossen hat. Sein Problem: Immer öfter ignorieren seine blauen Kameraden in Wien das ständige Gezeter aus Kärnten. Nun sogar die Vizekanzlerin.

Alfred Gusenbauer Der SPÖ-Chef führte auf Korsika gelassen seinen wohlverdienten Urlaub zu Ende, statt mit Journalisten zu seinem Elternhaus in der Hochwasserstadt Ybbs zu stiefeln. Eigentlich sympathisch. Doch die Gesetze der Politik sind ungerecht: Zu Krisenzeiten sinken Oppositionspolitiker fast immer ab. Und so hatten auch Gusi und seine SPÖ trotz allgemeiner Informationsschwemme kaum etwas zu melden.


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