BADEORT GREIFENSTEIN: Ausgebadet

Politik | Nina Horaczek | aus FALTER 34/02 vom 21.08.2002

Den Enten hat es gefallen. Sie konnten dort, wo normalerweise Radfahrer unterwegs sind, mit ertrunkenen Nacktschnecken die Mägen füllen. Alle anderen waren weniger amused. Dort, wo viele Wiener ihr Sommerhaus stehen haben und noch viel mehr Hauptstädter am Wochenende zum Baden fahren, stand das dreckige Wasser bis zu zwei Meter hoch. Halb Greifenstein an der Donau war versunken. Autos standen unter Wasser, Wohnhäuser wurden überschwemmt, die Senkgruben gingen über. Während man in anderen Kleingartensiedlungen entlang der Donau an Überschwemmungen gewöhnt ist, waren die Bewohner der Badesiedlung nebst Burg Greifenstein noch kurz bis zum Eintreffen der Wassermassen überzeugt, dass sie das Hochwasser nicht erwischen wird. Als das Wasserkraftwerk Greifenstein 1984 in Betrieb ging, hieß es: "Nie mehr Hochwasser!" Dass der kleine Ort an der Donau weiterhin als Überschwemmungsgebiet deklariert ist, wurde ignoriert. Immer mehr Wiener tauschten die teure Mietwohnung gegen das günstige Sommerhaus an der Donau und bauten ihre Stelzenhäuser zu kleinen Villen um. Besonders Mutige gruben sogar einen Keller. Bald darauf erlaubte die Politik, den Badeort als Hauptwohnsitz zu nutzen. Dass die Badesiedlung Sondergebiet ist, steht zwar immer noch in jeder Baugenehmigung, sein Stelzenhaus unten ausbauen durfte man trotzdem. Nun müssen Wohnhäuser, Werkstätten und Kellerstübchen ausgepumpt trocken gelegt werden. Auf finanzielle Entschädigungen vom Land Niederösterreich gibt es kaum Hoffnung. Nur wer einen Gewerbebetrieb angemeldet hat, kriegt etwas Geld vom Land. Denn obwohl der Zubau des Erdgeschoßes nicht verboten war, sind die Bewohner des Sondergebiets selbst schuld, wenn sie ihre Häuser unten dicht machen.

  Auch die Badesaison ist gelaufen: "Aufgrund der Wassergüte ist das Baden im Donaualtarm-Greifenstein nicht empfehlenswert", erklärt Alfred Stachelberger, der örtliche Bürgermeister.


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