STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL LOEBENSTEIN, MICHAEL OMASTA | aus FALTER 34/02 vom 21.08.2002

War an dieser Stelle vor zwei Wochen schon von Terroristen die Rede, lässt sich diese Woche dazu nahtlos anschließen. In Joel Schumachers "Bad Company - Die Welt ist in guten Händen" jagen Anthony Hopkins und Chris Rock einen serbischen Extremisten, der New York mittels eines russischen Atomsprengkopfs dem Erdboden gleichmachen will.

  Fundamentalisten anderer Art ortet der Schriftsteller Felix Mitterer: Seine Erkenntnisse aus dem 11. September ("Es gibt keine Zeit, die Menschheit lernt nichts") haben das von Xaver Schwarzenberger für den ORF in Szene gesetzte Historiendrama "1809 - Andreas Hofer. Die Freiheit des Adlers" "plötzlich durch die Jahrhunderte ins Heute katapultiert" (Presseheft). Das mit Tobias Moretti in der Rolle des wehrhaften Tirolers besetzte Resultat ist so atemberaubend dilettantisch, dass man es kaum glauben mag - metaphernschwanger geschrieben, dramaturgisch inkohärent und visuell auf dem Niveau eines schlechten Fernsehkrimis gehalten. Aber wie schon Mitterer schreibt: "So lange wir uns nicht ändern, wird es immer ein 1809 geben."

  Da fragt man sich, was eigentlich aus der guten alten Multikulti-Komödie wurde: Gibts die überhaupt noch? "Jalla! Jalla!" hat mit nationaler Paranoia genauso wenig am Hut wie mit Nationalheiligen, und die Einzigen, die hier Terror machen, sind die Eltern von Roro (wie Regisseur Josef Fares ein Libanese in Schweden), der gegen seinen Willen verheiratet werden soll. Mans wiederum, sein bester Freund, hat Probleme mit seinem besten Freund (er will nicht mehr so recht hochkommen). Die Hauptdarsteller sind grandios, und nach dem vorhersehbar glücklichen Ende kann man auch dieses Filmchen getrost sofort wieder vergessen.


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