KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 34/02 vom 21.08.2002

Eine kurze Beschreibung einiger Arbeiten des Schweizers Ugo Rondinone, die derzeit in der Kunsthalle (bis 22.9.) und in der Galerie Krobath Wimmer (bis 30.8.) zu sehen sind, hört sich ziemlich schrecklich an. Da wären einmal die Aufnahmen von Models, in die der Künstler sein eigenes Gesicht montiert hat; außerdem am Boden liegende, überlebensgroße Clownfiguren und Bilder von Personen in SM-Lederbekleidung im Stil pseudokünstlerischer Fetischfotografie. Scheint so, als hätte einer zum Thema Identität mal dies und das ausprobiert, was in den letzten Jahren ohnehin häufig genug in Ausstellungen zu sehen war. Insgesamt jedoch stellen Rondinones in Wien gezeigte Arbeiten einen Ensemblecharakter her, der die einzelnen Elemente in einem anderen Licht erscheinen lässt. Dabei entsteht auch der Eindruck, dass es dem Künstler weniger um inhaltliche Identitätsfragen geht als vielmehr um die Betonung von deren ständiger Wiederkehr und die dadurch hervorgerufene Melancholie.

  So laufen etwa in der Installation "No How On" sämtliche Elemente im Loop: Den Raum dominieren mit gerasterten Spiegeln überzogenene Holzkörper, in die Lautsprecher integriert sind, aus denen ein ständig wiederholter, leicht trauriger Frauengesang ertönt. An den Wänden hängende Monitore zeigen verlangsamte Filmsequenzen. Durch den Sound, die schönen Filmausschnitte und das verspiegelte Labyrinth gelingt es Rondinone, eine entrückte Stimmung zu erzeugen. Hier wird der Besucher angezogen, und gleichzeitig wird ihm nur so wenig geboten, dass er sich doch wieder seinen eigenen Assoziationen und Erinnerungen überlassen findet - auf seiner ganz persönlichen Möbiusschleife.


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