AUFGEBLÄTTERT

Kultur | KARIN CERNY | aus FALTER 34/02 vom 21.08.2002

True Crime, Made in Austria: Ende der Achtzigerjahre wurde er als "Pumpgun-Ronnie" berühmt. Im bürgerlichen Leben als Johann Rettenberger bekannt, überfällt der sympathische Niederösterreicher mehrere Banken (an einem Tag sogar drei!). Seiner Frau erzählt der Dreißigjährige, er sei laufen oder spazieren gewesen. Wie die Bankräubergang "Die Ex-Präsidenten" in Kathryn Bigelows Surfer-Thriller "Point Break" (1991) zieht sich Pumpgun-Ronnie bei seiner Arbeit eine Ronald-Reagan-Maske über den Kopf. Der Roman "Die Räuber" von Martin Prinz heftet sich dem Flüchtenden in seinen letzten Stunden an die Fersen. Vier Tage lang ist der geübte Marathonläufer zum Großteil zu Fuß unterwegs und narrt die ihn verfolgende Polizei, bis ihn ein tödlicher Schuss trifft. Das vorangestellte Motto von Franz Kafka, "Ich werde mich nicht müde werden lassen", gibt den ruhelosen Rhythmus vor. Rettenberger rennt und rennt: So ist "Der Räuber" kein Krimi, sondern eine psychologisch gedeutete Laufstudie


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