STANDPUNKT: Polter, polter

Politik | aus FALTER 35/02 vom 28.08.2002

Jörg Haider poltert und nervt wieder kräftig. Er droht mit Rückzug, er setzt auf Liebesentzug, er spöttelt über seine blauen Minister, er droht mit Volksbegehren und Sonderparteitag. Die Cover der Magazine sind ihm sicher. Die Regierung will dem einfachen Parteimitglied nämlich einfach nicht folgen und beharrt auf dem Beschluss, die versprochene Steuerreform zu verschieben. Susanne Riess-Passer und Peter Westenthaler drohen sogar mit Rücktritt, sollte sich Haider diesmal durchsetzen. Wahrscheinlich werden alle Blauen in ein paar Tagen wieder gemütlich beisammensitzen und uns versichern, dass eh alles nur halb so schlimm war, dass in der FPÖ "Meinungsfreiheit" herrsche und so weiter. Hinter dem blauen Konflikt verbirgt sich allerdings mehr: Völlig zu Recht ahnt Haider, dass er in der Wählergunst weiter abrutschen kann. Auch der blaue Populismus stößt eben auf natürliche Grenzen. Auf der einen Seite die Hochwasser-opfer, die neue, sichere Häuser fordern, auf der anderen die kleinen und mittleren Unternehmer, denen man so schöne Steuergeschenke versprochen hat. Da kann es eine Populistenpartei schon zerreißen. Haider spielt in den Medien deshalb den Poltergeist. Er muss seinen Getreuen beweisen, dass er noch immer der Mann des kleinen Mannes ist. Sein Problem: Es glaubt ihm nicht einmal mehr die eigene Regierung. F. K.


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