Im Zweifel für die Polizei

Politik | FLORIAN KLENK | aus FALTER 35/02 vom 28.08.2002

GERICHT. Ein Polizist erschießt einen Unschuldigen. Ein Maturant demonstriert deshalb. Der Polizist geht frei, der unbescholtene Demonstrant wandert für drei Monate hinter Gitter. Zwei Prozesse als Sittenbild der Wiener Strafjustiz und ihres Umganges mit der Polizei. 

In den frühen Morgenstunden des 20. Mai 2000 rückt der Ottakringer Kriminalbeamte Norbert E. zu einer Drogenrazzia nach Penzing aus. Er beschattet den Wiener Imre B., weil dieser im Verdacht steht, mit Haschisch gedealt zu haben. Als sich B. ins Auto setzt, stellt sich der Polizist mit gestreckter Waffe neben den Wagen und befiehlt auszusteigen. Er packt die Autotüre. Dann drückt er ab. Imre B. ist auf der Stelle tot.

  Am Nachmittag desselben Tages protestiert deshalb der zwanzigjährige Maturant Georg L. zusammen mit rund hundert Demonstranten gegen "Polizeigewalt". Die Demonstration eskaliert. Einige Aktivisten attackieren die Polizei und werden eingekesselt. Andere versuchen, eine Sperre zu durchbrechen. Dabei setzen


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