FERNSEHEN

Medien | JULIA ORTNER | aus FALTER 35/02 vom 28.08.2002

Finstere Zeiten kommen auf mich zu. Ich sage nur: Die dritte Staffel der "Sopranos" (ZDF) ist vorbei, jetzt kommt eine lange Zwangspause für Tony Soprano, den symphathisch-neurotischen Mafiapaten aus New Jersey. Ein großartiges Finale lässt mich voller Fragen zurück: Wann schafft Tony den nächsten Durchbruch in seiner Therapie? Muss Antony jr. auch zum Psychiater? Wie schlimm werden die Wickel mit der Russenmafia? Fein, dass man gegen den Entzug noch ein paar Wiederholungsfolgen der ersten Staffel auf ORF 1 (Di, 0.30 Uhr) schauen kann. Und Zeit hat, sich grundsätzliche Gedanken über Lieblingsfernsehserien zu machen: wie man sich zum Beispiel freut, wenn coole Menschen die Lieblingsserie super finden und man sich über Paulies Glanzstreifen-Trainingsanzüge und Scorsese-Zitate unterhalten kann. Aber interessant: Den im eigenen Universum uncoolen Leuten gönnt man nicht, diese hintergründige Serie zu konsumieren. "Nur die Richtigen sollten sich meine Serie anschauen", denke ich. "So ein Elite-bewusstsein hatte ich bisher nur bei ,Twin Peaks'", sage ich dem Mann, mit dem ich meine Serie gerne teile. "Darüber solltest du lieber keine Fernsehschau schreiben", rät er mir.


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