STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL LOEBENSTEIN | aus FALTER 35/02 vom 28.08.2002

Im Dezember 1999 entwickelte sich "Stuart Little", ein fröhlicher, bunter Film nach dem (zumindest in den USA) populären Kinderbuch von E.B. White, zum Überraschungshit. "Stuart Little zwei" (Regie: Rob Minkoff) ergänzt, drei Jahre später, die erfolgreiche romantische Formel des ersten Teils um eine pubertäre Note: Erzählte der erste Teil vom Waisenkind Stuart, das nach anfänglichen Adaptionsschwierigkeiten im Schoß der Familie Little ein Zuhause findet, handelt das Sequel nun von der "Mannwerdung" des Kleinen. Die Pointe des Ganzen ist jedoch, dass Stuart kein Mensch, sondern eine kleine sprechende (gänzlich im Computer erschaffene und von Michael J. Fox synchronisierte) Maus ist. Von dem schrägen Charme, der schon das Original auszeichnete - dass in der zuckerlfarbenen, nostalgischen Welt der Littles beispielsweise niemand einen sprechenden Nager merkwürdig findet -, zehrt auch Teil zwei: Noch immer sind die Eltern Little (Geena Davis und der englische "Black Adder"-Komiker Hugh Laurie) ein romantisches Paar wie aus dem Fifties-Bilderbuch, strahlt (ein beinahe wolkenkratzerfreies) Manhattan rund um die Uhr im goldenen Glanz der Frühlingssonne. Bei so viel cleverem Kitsch darf nun auch eine Liebesgeschichte nicht fehlen, und so plumpst dem pubertierenden Stuart auch prompt eine junge Frau vom Himmel ins Auto. Margalo, eine Vogeldame mit mysteriöser Vergangenheit, verdreht Stuart bald das Herz; über der Beziehung zwischen den beiden liegt jedoch der Schatten einer unausgesprochenen Vergangenheit. Bis zum Happy End gilt es somit, ein gebrochenes Herz, eine nächtliche Odyssee durchs verregnete New York sowie ein Luftduell zu überstehen - was "Stuart Little zwei" so melodramatisch wie kurzweilig macht. Und zum einzigen uns bekannten Kinderfilm, der allen Ernstes Hitchcocks "Vertigo" zitiert.


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