Vom Stillstand des Lebens

Kultur | aus FALTER 35/02 vom 28.08.2002

LITERATUR. Letzte Lesetipps für die letzten Sommertage: neue Erzählungen von T.C. Boyle, eine Brandrede von Gustav Ernst und ein sehr norwegischer Roman von Ketil Bjoernstad.

Tom Coraghessan Boyle loben heißt Eulen nach Athen respektive Brot zum Bäcker respektive Japaner in eine Louis-Vuitton-Filiale tragen, muss also als eine den Allgemeinkonsens strapazierende Eh-schon-wissen-Angelegenheit bezeichnet werden. Der neue Boyle ist ein Erzählband, heißt auf Deutsch "Schluss mit cool", und es wäre nicht Boyle, wenn das thematische Terrain nicht ähnlich weit gefasst wäre wie das Herz Barbara Stöckls: In den 16 Geschichten gehts unter anderem um Fitnessfixierung, Kindesweglegung und Männerauktionen, um Liebe, Tod und Internet-Sex, um Abtreibung, Umweltkatastrophen, Literaturstars und Alkoholismus.

  Die gern verwendete Masche: Boyle lässt ein Idyll lustvoll wahlweise ins Tragische, Apokalyptische oder Absurde kippen. Die verhärmte, depressive Lehrerin metzelt plötzlich den stiernackigen

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