Mein Bruder Anita

Kultur | TOBIAS HEYL | aus FALTER 35/02 vom 28.08.2002

LITERATUR. Ulrike Draesner greift in ihrem Roman "Mitgift" auf die aktuellen Debatten um die Konstruktion von Geschlechter-Identitäten zurück. 

Mitgift - das war schon immer ein seltsames Wort. Nichts gegen die Großzügigkeit der Familie, die folgende Generation mit einem Startkapital auszustatten, sei es mehr oder weniger materieller Natur. Aber es klingt eben immer auch das "Gift" mit, die unüberhörbare Drohung, dass jedes noch so junge Glück durch seine familiären Wurzeln mit einem Fluch, mit einer Neurose oder anderem Übel kontaminiert sei.

  Ulrike Draesner hat nun einen Roman geschrieben, der von der bedrohlichen Doppeldeutigkeit der Mitgift lebt. Kaum eine Variante der Liebe, aber auch kaum eine Form der Erniedrigung, wie sie in einer Kleinfamilie vorkommen kann, hat sie ausgelassen. Das erzählerische Zentrum bildet Aloe, Ende zwanzig, Kunsthistorikerin mit besten Karriereaussichten, verliebt in Lukas, Astrophysiker. Kein besonders spektakuläres Paar, sieht man davon


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