Stadtrand: Ein kleiner Gefallen

Stadtleben | aus FALTER 35/02 vom 28.08.2002

Wenn Ihnen ein Unbekannter plötzlich Blumen schenkt, dann liegt das - logo! - selbstverständlich nur an Ihrem Deo. Wenn Sie - wie es einer Freundin unlängst tatsächlich passiert ist - auf der Straße ein Unbekannter anspricht und Sie bittet, einer "Wette mit Bekannten" wegen ihm für ein Foto ins Gesicht zu treten, dann kann das daran liegen, dass der Herr a) sehr seltsame Bekannte, b) sehr seltsame Bedürfnisse oder c) überhaupt sehr seltsame Probleme hat. Meine Freundin tat dem Bittsteller jedenfalls den "kleinen Gefallen". Und kam sich dann anschließend - mehr oder weniger überrumpelt - doch etwas seltsam vor. Dabei lassen sich doch so schamlos freche "kleine Gefallen" auch boykottieren: Beim Fotografieren hätte meine Freundin beispielsweise ihren Finger vors Objektiv halten können. Sie hätte dem Herrn den (angeblich nicht ganz billigen) Fotoapparat wegnehmen und damit verschwinden können. Oder sie hätte ihm fototechnisch den Kopf - das Wichtigste überhaupt - abschneiden können. Am besten wär wohl Nein-Sagen gewesen. Aber wahrscheinlich war die Geschichte mit dem "kleinen Gefallen" eh nur ein Streich mit versteckter Kamera. Oder ein Test, wie, äh, hilfsbereit die Leute heutzutage sind. So gesehen hat meine Freundin die Prüfung ja bestanden. C. W.


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